Ode an den Pott

“Ode an den Pott”

Wo einst der Stahl heiß glühte, und Kohle mit viel Schweiß gefördert;

wo die Luft so schmutzig war, und Kohlenstaub sich auf die Lungen legte;

wo Oma in ihrem Zechenhaus die Geranien pflegte und im Fenster lehnte;

wo Kinder noch durch Büsche streiften, und auf der Straße Hinkeln spielten;

wo sie mit Rollschuhen über Straßen fegten, und die Möhren aus dem Garten aßen.

Da weht jetzt ein ganz anderer Wind...

Die Fördertürme stehen still,
die Schächte sind versiegelt.

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Oma wohnt lang schon nicht mehr hier und aus den Kindern wurden Leute.

Die Luft ist klar, die Bäume grün und sauberes Wasser in der Ruhr.

Konzerte füllen Kokereien und Kunst zieht ein ins Zechenland.

Nur mit geschlossenen Augen kann man hören, ahnen, wie laut es damals hier noch war.

Dort wo Kohlenhalden sich an Straßen säumten, da ist es grün.-

Neu angelegte Seen und Parks wachsen zu einem anderen Bild.

Naherholung in den Städten, die einst im Dunst vernebelt waren.

So schön ist unser Ruhrgebiet –

der Pott der atmet, lebt, macht sich frei.

(Text)

© Sigrid Drübbisch